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Tödliches Milliardengeschäft
Der NABU engagiert sich im weltweiten Kampf gegen die Wilderei

Gewildertes Nashorn, Wilderei

Gewildertes Nashorn, Wilderei

 

Die Wilderei und der illegale Handel mit Wildtierprodukten sind längst zu einem organisierten, skrupellosen Geschäft geworden, mit dem jedes Jahr viele Milliarden US-Dollar umgesetzt werden. Derart hohe Gewinne lassen sich sonst nur mit Waffendeals, Drogenschmuggel oder Menschenhandel erzielen.

 
Gewildertes Nashorn, Wilderei

Gewildertes Nashorn - Foto: NABU/Barbara Maas

 

Skrupellose Wilderei

Etwa alle 15 Minuten fällt ein Afrikanischer Elefant Wilderern zum Opfer. Das sind pro Jahr rund 35.000 Elefanten, die ihrer Stoßzähne wegen getötet werden. Zogen in den 1970er-Jahren noch 1,2 Millionen Elefanten durch die Savannen Afrikas, so sind es heute weniger als 440.000. Ebenso dramatisch ist die Situation der Nashörner: Die Jagd nach ihrem Horn ist innerhalb der letzten sechs Jahre sprunghaft angestiegen. Allein in Südafrika, wo mit 20.000 Tieren über drei Viertel des weltweiten Bestandes dieser Familie leben, wurden 2014 1215 Nashörner gewildert. 2007 waren es „nur“ 13. Sollte es nicht gelingen, diesen Trend zu stoppen, wird diese ökologisch unersetzliche Tierart aussterben.

Spürhunde gegen Wilderer

Die verbliebenen Elefanten und Nashörner können heute fast nur noch in von Rangern überwachten Nationalparks und Schutzgebieten überleben. Und selbst hier gehen skrupellose Wilderer auf die Jagd. Um dem entgegenzuwirken, hat die NABU International Naturschutzstiftung gemeinsam mit der staatlichen Naturschutzbehörde Kenya Wildlife Service und dem David Sheldrick Wildlife Trust eine Spürhundestaffel aufgebaut. Die Hunde sind in der Lage, Wilderer, Elfenbein, Rhinozeros-Horn, Munition oder verwundete Tiere aufzuspüren, Wilderei-Fährten zu verfolgen und Fahrzeuge, Gebäude und Verstecke zu untersuchen.

Die Hundestaffel ist im kenianischen Tsavo-Nationalpark stationiert, Heimat der größten Elefantenpopulation Kenias. Von hier aus können die Hunde und ihre Führer, speziell ausgebildete Ranger, mit dem Auto, Hubschrauber oder sogar per Flugzeug schnell zum Einsatzort gebracht werden. Zeitnah vor Ort zu sein, ist im Anti-Wilderei-Geschäft mit Spürhunden besonders wichtig, da die Hunde in den 24 Stunden nach der Tat die Spur am besten verfolgen können. Außerdem haben die Wilderer somit weniger Zeit, ihre Schmuggelware und mögliche Beweisstücke zu verbergen.

Wertvoller als Gold

Die Wilderei und der illegale Handel mit Wildtierprodukten sind längst zu einem organisierten, skrupellosen Geschäft geworden, mit dem jedes Jahr weltweit mehr als 19 Milliarden US-Dollar umgesetzt werden. Derart hohe Gewinne lassen sich sonst nur mit Waffendeals, Drogenschmuggel, Produkt- und Geldfälschung oder Menschenhandel erzielen. Hauptabnehmer des gewilderten Elfenbeins ist China. Dort wird das „weiße Gold“ zu Amuletten, Namenssiegeln, Schmuck, Figuren oder Essstäbchen verarbeitet. Bis zu 3.000 Dollar bringt ein Kilogramm Elfenbein auf dem dortigen Schwarzmarkt.

Der größte Absatzmarkt für illegal gehandeltes Rhino-Horn liegt in Ostasien, besonders in Vietnam. Hier wird das Horn heute vor allem von der neuen sozialen Elite als Statusprodukt genutzt. In der traditionellen Medizin sagt man den Nashornpräparaten wahre Wunder nach: Zu Pulver zerrieben soll es fiebersenkend, entgiftend und krampflösend sein, bei Masern, Schlaganfall, Epilepsie oder Potenzschwäche helfen und, Gerüchten zufolge, sogar Krebs heilen. Dabei besteht das angebliche Wundermittel aus Keratin, der gleichen Substanz wie Fingernägel oder Haare. Dennoch erhalten Wilderer für ein Rhinozeros-Horn etwa 3.000 Euro. Als Pulver ist ein Kilogramm auf dem Schwarzmarkt 50.000 Euro wert – und damit doppelt so wertvoll wie Gold.

„Buddhists for Rhinos“

Als Hauptabnehmer von Rhinozeros-Horn ist Vietnam ein Schlüsselland für die Bekämpfung von Wilderei und illegalem Handel. Da die Bevölkerung Vietnams zu 80 Prozent aus Buddhisten besteht, arbeitet Dr. Barbara Maas, Artenschutzexpertin der NABU International Naturschutzstiftung und Leiterin des Natur- und Umweltschutzausschusses der International Buddhist Confederation, mit den buddhistischen Oberhäuptern in Vietnam zusammen. Gemeinsam riefen sie im Dezember 2015 die Aktion „Buddhists 4 Rhinos“ ins Leben. Denn Leidtragende beim Nashornhandel sind nicht nur die Tiere und deren Lebensräume, sondern auch getötete oder verwundete Ranger und ihre Familien sowie Opfer von Gewaltverbrechen. Für Buddhisten ist allein aus diesen Gründen der Gebrauch von Rhino-Horn unvertretbar.

Das Konzept, die Lehre von Weisheit und Mitgefühl zum Wohle aller Lebewesen auf die Nashornproblematik zu übertragen, wurde von Barbara Maas in Zusammenarbeit mit dem buddhistischen Geistlichen Dr. Thich Nhat Tu erarbeitet und über das vietnamesische Fernsehen sowie soziale Netzwerke an alle buddhistischen Klöster und Tempel verbreitet – mit Erfolg: Direkt nach dem Start der Kampagne hatten innerhalb von nur zwei Tagen mehr als tausend Vietnamesen der Verwendung von Rhino-Horn abgeschworen.

Wilderei und illegaler Handel mit Tierprodukten bedrohen nicht nur die biologische Vielfalt, sie stellen zudem eine große Gefahr für die politische und wirtschaftliche Stabilität in Krisenregionen dar. Im Juli 2015 verabschiedeten die Vereinten Nationen eine Resolution gegen den illegalen Wildtierhandel. Darin verpflichten sich alle 193 Staaten der Welt, dem derzeit beispiellosen Anstieg des illegalen Wildtierhandels gemeinsam entschieden entgegenzutreten. Damit erkennen erstmals alle Staaten die Schwere und das Ausmaß dieser Art von Kriminalität – und dass es gilt, diese zu bekämpfen.

Werner Reinhardt und Britta Hennigs (Nh 3/16)

Quelle und Textauszug: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/artenschutz/nabu-aktivitaeten